Predigt: Das Brot des Lebens (Johannes 6,30-35)

7. Sonntag nach Trinitatis 03.08.2025 in der Johannesgemeinde

Warum werde ich nicht satt? โ€“ Vom รœberfluss zur Fรผlle

Einleitende Worte des Predigers: Wie Sie wissen, man kann nicht immer รผber alles predigen. Das ging mir in der heutigen Predigt so. Es gibt am Ende noch so viel zu sagen, so viel zu bedenken und zu diskutieren. Deshalb auch gleich zu Beginn meine Einladung zum Austausch danach und in der nรคchsten Woche. Also, packen wir’s an.

I. Theologischer Auftakt โ€“ Das Wunder und das Wort

Das Kapitel 6 beginnt mit der bekannten Speisung der Fรผnftausend โ€“ ein Wunder, das mehr ist als bloรŸe Versorgung. Jesus stillt nicht nur physischen Hunger, sondern offenbart etwas Tieferes: Er selbst ist das Brot, das der Welt Leben gibt. Dieses Wunder verweist auf die tiefe Verbindung zwischen Zeichenhandlung und Verkรผndigung. Es ist โ€“ evangelisch gesprochen โ€“ eine โ€žsichtbare Predigtโ€œ: Gott schenkt Leben in Fรผlle. Die Menschen essen โ€“ und wollen mehr. Doch Jesus zieht die Grenze: Nicht das nรคchste Wunder, sondern die Beziehung zu ihm selbst macht satt.

Martin Luther deutete diese Szene als Einladung zum Glauben: nicht auf das Wunder zu schauen, sondern auf den Geber. Nicht das Brot allein ist das Ziel, sondern der, der es bricht. Und Dietrich Bonhoeffer schrieb einmal sinngemรครŸ: Christus ist nicht gekommen, um unsere Wรผnsche zu erfรผllen, sondern um uns neue Wรผnsche zu schenken.

Unsere Wรผnsche, liebe Gemeinde, unseren Hunger nach MEHR kann nรคmlich niemand erfรผllen.

II. Der moderne Hunger: โ€žWarum werde ich nicht satt?โ€œ

Es gibt da diesen Satz aus einem Lied der deutschen Rockband Die Toten Hosen, schon ein paar Jahre alt, aber immer noch aktuell. Campino singt:

โ€žWarum werde ich nicht satt?โ€œ

Und das mitten in einer Welt des รœberflusses. In dem Lied zรคhlt er auf, was er alles hat: Geld, Freunde, Ruhm โ€“ und trotzdem bleibt diese bohrende Frage stehen.ย 

Die meisten Menschen werden einfach nicht satt โ€“ nicht nach drei Gรคngen, zwei Glรคsern Wein und hundert Likes. Und wenn sie morgens im Spiegel stehen, sehen sie nicht Erfรผllung, sondern Erschรถpfung. Und der Hunger bleibt.

Dabei leben wir โ€“ objektiv gesehen โ€“ wie Kรถnige. Der britische Comedian Jimmy Carr hat das kรผrzlich so beschrieben:

โ€žMan gewรถhnt sich ziemlich schnell daran, wie gut das eigene Leben eigentlich ist. Mein Freund hat mir einmal geraten: Wenn du unter der heiรŸen Dusche stehst โ€“ dann denk einen Moment lang daran, dass niemand, den du aus der Geschichte bewunderst, dieses einfache, tรคgliche Vergnรผgen hatte. Nicht Luther. Nicht Kant. Nicht Dietrich Bonhoeffer. Nicht mal deine UrgroรŸeltern. KEINER HATTE EINE WARME DUSCHE.โ€œ

Und wenn man sich das einmal klarmacht โ€“ dann lebt unsere Generation wie Kรถnige. Es gab in der Geschichte insgesamt etwa 100 Milliarden Menschen auf dieser Erde, und wir gehรถren zu dem obersten Prozent, was Glรผck, Gesundheit, Sicherheit und Kalorienzufuhr betrifft. Unsere Kinder รผberleben die ersten Lebensjahre. Wir haben Zugang zu medizinischer Versorgung, Schulbildung, Heizungen, Kaffeevollautomaten, WLAN und Netflix und eine heiรŸe Dusche und ein WC im Haus.

Und trotzdem โ€“ und jetzt wirdโ€™s paradox โ€“ war das Leben noch nie objektiv besserโ€ฆ und subjektiv so schwer zu ertragen.

Warum? Weil unsere Wรผnsche nicht aus uns selbst kommen. Sie sind memetisch โ€“ also nachahmend und evolutionรคr. Wir wollen, was andere wollen. Wir vergleichen uns permanent. Und wir machen uns Sorgen.

Unser Glรผck ist letztlich:ย Lebensqualitรคt minus Neid und Sorge.

Und genau da liegt das Problem: Wenn du immer nur auf die anderen schaust โ€“ auf ihr schรถneres Haus, ihren fitteren Kรถrper, ihre klรผgeren Kinder, ihren Urlaub in Queensland โ€“ dann verpasst du den Reichtum deines eigenen Lebens. Das Resultat? Wir werden unzufrieden, ja sogar verbittert.

Die heiรŸe Dusche hat einen Preis. Nicht finanziell โ€“ sondern seelisch. Vielleicht ist das Leben zu bequem geworden. Vielleicht sind wir in einer Komfortkrise gelandet.

Es klingt hart, aber: Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen โ€“ und trotzdem fehlt vielen der Sinn. Vielleicht, weil wir Brot genug haben, aber keine Nahrung fรผr die Seele. Selbstverstรคndlich liegt es auch daran, dass wir wissen, all dieses kann schnell wieder vorbei sein. Was wir haben, bleibt nicht.

Die Ironie an dieser Sache ist es, dass es etwa 10% der Weltbevรถlkerung so geht. Die, die in Lรคndern wie Deutschland und Australien leben. Der Rest der Welt weiรŸ noch ganz genau, was kรถrperlicher Hunger bedeutet. Was es bedeutet, Kindern nicht genug zu essen geben zu kรถnnen. Was echter Hunger bedeutet.

III. Die Sehnsucht hinter dem รœberfluss

Wir leben in einer Welt voller Mรถglichkeiten. Amazon liefert รผber Nacht, der Kรผhlschrank ist voll, Streamingdienste rund um die Uhr. Und trotzdem: Viele Menschen verspรผren diesen inneren Hunger. Gotthold Ephraim Lessing hat das einmal anders, fast poetisch formuliert:

โ€žLebe, bis du satt gekรผsst und des Trinkens mรผde bist.โ€œ

Und manche jagen genau das: Genuss bis zur Sรคttigung, Erlebnisse bis zum Rausch. Aber seien wir ehrlich: Die Leere danach kennen auch wir alle. Nach dem vollen Teller kommt oft der fade Beigeschmack. Nach der durchfeierten Nacht das flaue Gefรผhl. Nach dem Scrollen durch Instagram โ€“ ein stilles Seufzen: Und jetzt?

IV. Christus โ€“ Das Brot, das nicht nur stillt, sondern erfรผllt

In diese Welt hinein spricht Jesus diesen einen Satz โ€“ mitten in Johannes 6:

โ€žIch bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern.โ€œ

Nicht: Ich bin der Sekt des Lebens. Oder der Rausch. Oder das nรคchste Kickangebot. Nein: Brot. Einfach. Nahrhaft. Lebensnotwendig.

Jesus verspricht keine Reizรผberflutung. Er verspricht Halt. Kein รœbermaรŸ โ€“ sondern Erfรผllung.

V. Anwendung โ€“ Glaube im Alltag

Was heiรŸt das fรผr uns โ€“ fรผr unseren Alltag? Wie schafft der das besser als Netflix das kann?

Vielleicht: Nicht mehr hetzen โ€“ sondern horchen. Nicht mehr konsumieren โ€“ sondern mehr vertrauen. Nicht vergleichen โ€“ sondern teilen. รœber all dies spricht Jesus immer wieder schon vor langer Zeit.

Konfirmandinnen und Konfirmanden wurden einmal mit Fragebogen in den Gottesdienst geschickt. Eine der Fragen lautete: Was erwarten Menschen von der Kirche? Die hรคufigste Antwort: Dass sie ehrlich ist. Dass jemand die Fragen stellt, die sonst niemand stellt:

  • Warum werde ich nicht satt?
  • Was fehlt mir wirklich?
  • Und: Wer fรผllt das Loch, das kein Produkt stopfen kann?

Im Gottesdienst โ€“ so glaube ich โ€“ dรผrfen wir lernen, wieder zu schmecken. Nicht Fastfood fรผr die Seele, sondern das echte Brot, das trรคgt. Christus gibt nicht sofort, was wir wollen โ€“ aber immer, was wir brauchen.

VI. Abschluss โ€“ Einladung zur echten Mahlzeit

Und genau das feiern wir gleich โ€“ im Abendmahl. Nur ein Stรผck Brot. Ein Schluck Wein. Und doch: Mehr als genug. Denn es ist das Mahl, das uns erinnert: Du bist gewollt. Geliebt. Und eingeladen โ€“ satt zu werden.

Vielleicht sagen Sie nachher leise: โ€žHeute warโ€™s nicht spektakulรคr โ€“ aber es hat gutgetan.โ€œ Dann warโ€™s: Evangelium.

Oder umโ€™s mit einem Augenzwinkern zu sagen: Wer satt vom Glauben lebt, kann sogar groรŸzรผgig teilen โ€“ und hat immer noch genug fรผr morgen.

Wenn Christus uns satt macht โ€“ dann ist das kein Privatbesitz, sondern eine Einladung zum Teilen. Denn wรคhrend ein Teil der Welt sich รผber zu viel Auswahl im Supermarkt beklagt, lebt der GroรŸteil der Menschheit mit ganz anderem Hunger: mit leerem Magen, mit unsicherer Nahrungslage, mit existenziellen Sorgen. Das ist kein Versorgungsproblem โ€“ das ist ein Verteilungsproblem.

Als Christinnen und Christen glauben wir an einen Gott, der Brot nicht hortet, sondern bricht. Der sich selbst verschenkt โ€“ und dadurch Leben mรถglich macht. Wir sind berufen, diesen Hunger zu stillen. Nicht symbolisch. Nicht theoretisch. Sondern konkret. Es ist eine steile These โ€“ aber ich meine sie ernst: Die Kirche Jesu Christi ist berufen, jedem Menschen auf dieser Erde das tรคgliche Brot zu ermรถglichen. Nicht durch eigene Kraft, sondern durch geteilte Hoffnung, durch gelebte Barmherzigkeit, durch politische Verantwortung und ganz praktische Solidaritรคt.

Denn wer vom Brot des Lebens lebt, der kann nicht gleichgรผltig bleiben gegenรผber dem leeren Teller seines Nรคchsten.

So spricht Jesus heute zu uns: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dรผrsten. (Johannes 6,35)

Amen.

Die Magie der besonderen Verbindungen

Einen besonderen Draht haben

Gibt es Menschen auf dieser groรŸen, weiten Welt, die einen besonderen Draht zu uns haben? So etwas wie Soulmates, Seelenverwandte? Ich glaube ja. Und du?

Entgegen der romantischen Annahme, es gebe nur einen einzigen Seelenverwandten, bin ich รผberzeugt: Es sind mehrere.

In den letzten Jahren habe ich auf verschiedenen Kontinenten gelebt und gearbeitet. Und immer wieder โ€“ selten, aber regelmรครŸig โ€“ ist es passiert: Ich treffe jemanden, und ohne rationale Erklรคrung passt einfach alles. Wir schwingen auf derselben Frequenz, sprechen dieselbe Sprache โ€“ oft ohne Worte. Wir lachen an der falschen Stelle und finden genau das witzig. Wir tun Dinge, die anderen seltsam erscheinen, uns aber vรถllig normal vorkommen. Wir teilen Werte, ohne sie jemals abgesprochen zu haben.

Doch das Faszinierende ist: Wir sind nicht gleich. Ganz im Gegenteil. Wir sind uns fremd genug, um uns herauszufordern, neugierig zu machen, wachsen zu lassen. Wir erweitern einander die Horizonte. Diese Verbindung ist irrational โ€“ fast verrรผckt.

Yuval Noah Harari wรผrde jetzt vermutlich sagen: โ€žDas ist nichts Mystisches, sondern ein evolutionรคrer Zufall. Eine komplexe neuronale Interaktion verstรคrkt durch geteilte soziale Prรคgungen.โ€œ Mรถglich. Und doch fรผhlt es sich an wie mehr als das.

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Wir sind aus der Ewigkeit geboren und leben einen Wimpernschlag lang. Und da, mitten zwischen Geburt und Tod, begegnen wir einander. Genau in diesem Moment, an diesem Ort โ€“ wie ein neuer Stern โญ๏ธ am Nachthimmel. Die meisten dieser Sterne leuchten nur schwach. Doch einige? Einige erhellen den ganzen Himmel.

Manche von ihnen heiraten wir und verbinden uns fรผr immer. Andere ziehen vorbei oder bleiben als treue Freunde, weise Mentoren oder verlรคssliche Kollegen. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie prรคgen uns โ€“ und lassen uns nicht mehr los.

Ist es vielleicht Gott, der seine Menschen so in der Welt verstreut, dass sie sich genau dann begegnen, wenn es passt? Wenn alles stimmt โ€“ dann funkt es. Dann erfasst uns diese tiefe, allumfassende Liebe, von der die Bibel spricht.

Diese Menschen kรถnnen aus Asien oder Lateinamerika kommen, aus Berlin-Mitte oder Wolkendorf bei Kronstadt. Sie kรถnnen รคlter oder jรผnger sein, Mann oder Frau. Wenn es passiert, sollten wir die Frequenz hochdrehen, staunen und genieรŸen. Ein neuer Stern an unserem Himmel โ€“ er wird dort leuchten. Vielleicht fรผr Jahrzehnte.

Und auch wenn der Alltag uns wieder einholt, wenn das Licht des Morgens die Sterne verblassen lรคsst โ€“ wir wissen: Sie sind da. Ihre Erinnerung bleibt in unserer Seele.

Was fรผr eine wunderbare Perspektive, um offen und empfangend in diese groรŸe, weite Welt hinauszugehen!

Und falls du dich jetzt fragst, ob du vielleicht einer dieser Menschen bist, die auf meiner Frequenz sendenโ€ฆ ๐Ÿค” Die Antwort kennst du doch. ๐Ÿ‘‹

Mit fremden sprechen

Mit Fremden sprechen

Qantas hat einen revolutionรคren Weg gefunden, das Gemeinschaftsgefรผhl an Bord zu stรคrken: Sie schalten einfach das Entertainment-System ab. Naja, fast. Es ist abgestรผrzt โ€“ und mit ihm sรคmtliche Bildschirme im Flugzeug.

Zunรคchst kollektiv genรถrgelt, dann einzeln verflucht, suchte jeder fieberhaft nach Ersatz auf dem eigenen Gerรคt. Doch irgendwann war klar: Kein Netflix, kein YouTube, keine digitale Betรคubung. Und so blieben zwei Mรถglichkeiten: Entweder mit dem eigenen Familienmitglied sprechen (Gott bewahre!) oder โ€“ noch radikaler โ€“ mit dem vรถllig unbekannten Sitznachbarn.

Bei mir war es mit dem Fremden yu sprechen denn ich war alleine unterwegs und er auch. Nun haben wir uns verliebt und wollen heiraten. Nein quatsch aber so in etwa kรถnnte es laufen. Ich fรผhrte ein langes, intensives Gesprรคch mit einem Fremden. Frรผher normal, heute die Ausnahme. Ob in Hongkong, Berlin oder Melbourne โ€“ รผberall sitzen Menschen in Cafรฉs, Bahnen und Wartehallen, vereint im Schweigen, hypnotisiert von den blauen, flackernden Lichtern in ihren Hรคnden.

Ohne Bildschirm mehr Gemeinschaft. Vielleicht kein Systemfehler, sondern Zukunft? โ€žAuf unseren Flรผgen gibt es Gesprรคche und gutes Essenโ€œ โ€“ ein Slogan, der eine Fluggesellschaft endgรผltig in den Bankrott treiben wรผrde.

Und doch: 1. Petrus 3,15 fordert uns auf, jederzeit bereit zu sein, Rechenschaft รผber unsere Hoffnung zu geben โ€“ wenn man uns danach fragt. Vielleicht beginnt das Zeugnisgeben nicht in der Kanzel, sondern mitten im Flugzeug, zwischen Tomatensaft und Turbulenzen. Wer hรคtte gedacht, dass ein Systemabsturz die beste Gelegenheit sein kรถnnte, รผber den Glauben ins Gesprรคch zu kommen? Werโ€ฆ ja der Pfarrer natรผrlichโ€ฆ 

#GlaubeImAlltag #ZeugnisGeben #GesprรคcheStattStreams #ModerneEinsamkeit #DigitaleStille #MehrMiteinander #QantasFailOderSegen #FlugzeugPredigt

DURST NACH MEHR – Predigt zu Johannes 4

Folgende Predigt wurde in der Johannesgemeinde in Springvale, Melbourne in Januar 2025 gehlaten. Der vollstรคdnige Gottesdienst ist dem Youtubechannel der Gemeinde zu finden.

Im Predigttext fรผr den heutigen Sonntag begegnen wir einer Szene, die auf den ersten Blick alltรคglich erscheint, aber bei nรคherem Hinsehen tiefgreifende Wahrheiten รผber unser Leben offenbart. 

Heute lade ich euch ein, diese Begegnung am Brunnen noch einmal gemeinsam zu entdecken. Schritt fรผr Schritt wollen wir in die Tiefe dieser Geschichte eintauchen und schauen, was sie uns heute zu sagen hat. Ich lese sie abschnittsweise. 

5 Sein Weg fรผhrte ihn durch Sychar, eine samaritanische Ortschaft, in deren Nรคhe das Feld lag, das Jakob einst seinem Sohn Josef gegeben hatte,โ€‚6 und wo sich auch der Jakobsbrunnen befand. Es war um die Mittagszeit[2]; mรผde von der Reise hatte sich Jesus an den Brunnen gesetzt.โ€‚7-8 Seine Jรผnger waren in den Ort gegangen, um etwas zu essen zu kaufen.

Jesus durchquert Samaria โ€“ eine Region, die von den Juden seiner Zeit mit Misstrauen und Verachtung betrachtet wird. Das Wort ยปSamariterยซ gilt damals fast als Schimpfwort. Die Menschen dort haben ihre eigene Tradition, ihre eigene Auslegung der Heiligen Schriften, und ihr eigenes Heiligtum. Diese Unterschiede sind nicht bloรŸ akademische Streitfragen โ€“ sie haben echte Grรคben zwischen den beiden Gruppen geschaffen, die die Gegenwart Jesu belasten. Ich stelle mir vor es ist etwa so als wenn heute sich ein Jude und Palistinensar oder Ein Russe und Ukrainer am Brunnen treffen oder vielleicht im Supermarkt beim Wasserregal. 

Jedenfalls ist es Mittag, die Sonne brennt, und Jesus, erschรถpft von der Reise, setzt sich an einen Brunnen. Dieser Brunnen ist nicht irgendein Ort โ€“ es ist der Jakobsbrunnen, ein Platz, der in den religiรถsen Geschichten und Traditionen tief verwurzelt ist. Er ist mehr als eine Wasserquelle; er ist ein Symbol fรผr die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, von Glaube und Identitรคt.

โ€‚7-8 Seine Jรผnger waren in den Ort gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. Da kam eine samaritanische Frau zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat sie: ยปGib mir zu trinken!ยซโ€‚9 รœberrascht fragte die Frau: ยปWie kannst du mich um etwas zu trinken bitten? Du bist doch ein Jude, und ich bin eine Samaritanerin!ยซ (Die Juden meiden nรคmlich jeden Umgang mit den Samaritanern.[3])โ€‚10 Jesus antwortete: ยปWenn du wรผsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: โ€บGib mir zu trinkenโ€น, dann hรคttest du ihn gebeten, und er hรคtte dir Quellwasser gegeben, lebendiges Wasser[4].ยซโ€‚11 ยปHerrยซ, wandte die Frau ein, ยปdu hast doch nichts, womit du Wasser schรถpfen kannst, und der Brunnen ist tief. Woher willst du denn dieses lebendige Wasser nehmen?โ€‚12 Bist du etwa mehr als unser Stammvater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben und selbst von seinem Wasser getrunken hat โ€“ er und seine Sรถhne und seine Herden?ยซโ€‚13 Jesus gab ihr zur Antwort: ยปJeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen.โ€‚14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhรถrlich flieรŸt, bis ins ewige Leben[5].ยซ

Jesus sagt der Samariterin, sie mรถge ihm doch aus dem Brunnen zu trinken geben. Die Frau wundert sich und reagiert verblรผfft: โ€žWie bitte? Du willst von mir, einer Samariterin, Wasser? Du bist doch ein Jude!โ€œ Ihr Erstaunen ist nicht unbegrรผndet. Diese Frau weiรŸ genau, wie Juden normalerweise auf sie reagieren: mit Ablehnung, vielleicht sogar Verachtung, einige Spucken auf den Boden, oder werfen ihr vielleicht sogar einen Stein nach. Aber Jesus durchbricht die Muster. Keine Vorurteile, keine Anfeindungen. Stattdessen beginnt ein Gesprรคch. Ein Gesprรคch, das mehr ist als Smalltalk. Es ist ein Dialog รผber Hoffnung, Wahrheit und die Chance auf einen Neuanfang. Und hier, mitten im Alltag, bringt Jesus das Thema auf den Tisch: eine neue Art, Glauben zu leben.

โ€žWenn du die Gabe Gottes erkennen wรผrdest und wรผรŸtest, wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, dann wรผrdest du ihn bitten, und er wรผrde dir lebendiges Wasser geben,โ€œ sagt Jesus. Ein Satz, der es in sich hat. Es ist wie das Zitat von C.S. Lewis: โ€žWir sind halbherzige Geschรถpfe, die sich mit zu wenig zufriedengeben, obwohl uns Unendliches angeboten wird.โ€œ Jesus zeigt der Frau, dass sie nicht an den alten Strukturen und Erwartungen festhalten muss. Der Durst, den sie verspรผrt, ist mehr als ein Bedรผrfnis nach Wasser โ€“ es ist ein Hunger nach Sinn, nach echter Verbindung, nach einem Leben, das mehr ist als das bloรŸe Abarbeiten des Alltags.

Und hier kommt der Clou: Dieser neue Zugang zu Gott, von dem Jesus spricht, ist fรผr alle offen. Es geht nicht darum, wer Recht hat oder welche Tradition die bessere ist. Es geht darum, ob wir bereit sind, uns einladen zu lassen. Ob wir den Mut haben, alte Muster hinter uns zu lassen und uns auf etwas einzulassen, das unser Leben wirklich erneuern kann.

Das Gesprรคch am Brunnen wird zu einem Beispiel fรผr einen Glauben, der nicht trennt, sondern verbindet. Ein Glauben, der den Blick รถffnet fรผr die Mรถglichkeiten des Neuanfangs. Und das, liebe Gemeinde, ist eine Botschaft, die uns auch heute noch mitten ins Herz treffen kann.

Hier begegnen wir einer Situation, die eigentlich alle Zutaten fรผr einen Streit enthรคlt: tief verwurzelte Vorurteile, kulturelle Barrieren und religiรถse Differenzen. Doch was tut Jesus? Er รถffnet einen Raum, in dem diese Gegensรคtze keine Macht mehr haben. Seine Worte durchbrechen die Schranken, nicht mit Gewalt, sondern mit einer Einladung zu etwas GrรถรŸerem. Es ist, als wรผrde er sagen: โ€žHรถr auf, die Welt in Schubladen von โ€šwirโ€˜ und โ€šdie anderenโ€˜ zu sortieren, und erkenne, dass es eine Wahrheit gibt, die weit รผber eure, รผber ALLE Unterschiede hinausgeht.โ€œ

Und dann kommt dieser fast provozierende Satz: โ€žGott verwirklicht sich selbst an den Menschen, nicht die Menschen verwirklichen Gott.” Es sagt: Gottes Realitรคt hรคngt nicht davon ab, ob wir ihn in unseren kleinen Systemen unterbringen kรถnnen. Er ist nicht darauf angewiesen, dass wir ihn rechtfertigen oder verteidigen. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, tun dies im Geist und in der Wahrheit (V 24). Das bedeutet, dass die wahre Begegnung mit Gott nicht an Ort, Ritual oder Herkunft gebunden ist โ€“ sie ist universell und doch tief persรถnlich.

Ich erlebe heute immer wieder, nicht nur Menschen anderer Religion sondern Christen, die sich von anderen, auch von ihren Geschwistern im Glauben lieber abspalten als Einladen. Immer dann, wenn einer fragt was fรผr ein Christ man sei, bekehrt oder Neugeboren, Erleuchtet oder Geisterfรผllt. Getauft als Kind oder Erwachsener? Fรผr mich bleibt das Gesprach am Brunnen und seine Botschaft eined zutiefst Evangelische Botschaft. Also eine Botschaft nach dem Evangelium Jesu Christi. 

Und diese neue Wirklichkeit, die Jesus hier beschreibt, beginnt genau in dem Moment, wo Menschen bereit sind, ihre Vorstellungen loszulassen und Gott wirken zu lassen. Es ist ein mutiger Schritt, der uns von der Rechthaberei in die Freiheit fรผhrt โ€“ weg von den starren Grenzen unserer Wahrheiten hin zu einer Wahrheit, die grรถรŸer ist als wir selbst

Unsere Gegenwart zeigt immer wieder, wie oft Tradition als Rechtfertigung fรผr Unterdrรผckung und Machtstreben missbraucht wird. Ob religiรถs oder politisch, es gibt eine Tendenz, alte Konflikte und Narrative so zu verdrehen, dass sie Gewalt und Hegemonie legitimieren. Doch Jesus zeigt am Jakobsbrunnen einen radikal anderen Weg: Er hรคtte die Frau ablehnen kรถnnen, sich auf die Tradition berufen, und damit die Konflikte nur vertieft. Stattdessen รถffnet er eine Tรผr zu einem Neubeginn, der auf Geist und Wahrheit grรผndet und nicht auf Machtspiele.

Die Begegnung zwischen Jesus und der samaritischen Frau lehrt uns eine universelle Wahrheit: Echte Gottesnรคhe รผberwindet die engen Grenzen von Herkunft, Tradition und Status. Wo Menschen sich von Gottes Geist berรผhren lassen, entsteht eine neue Wirklichkeit โ€“ eine, in der Hoffnung, Frieden und Menschenliebe Raum finden, sich zu entfalten. Wer so glaubt, wird selbst zur Quelle lebendigen Wassers, die in einer zerrissenen Welt erfrischt und heilt.

13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dรผrsten;โ€‚14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dรผrsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.โ€‚15 Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dรผrstet und ich nicht herkommen muss, um zu schรถpfen!

Ein letzter Gedanken. 

Die Frau, der Jesus hier begegnet, hat Durst. Es ist ohne weiteres ersichtlich, dass Jesus mit seiner Rede vom lebendigen Wasser mehr anspricht als nur das menschliche Grundbedรผrfnis, dem Kรถrper zu geben, was er zum Leben braucht. Der Durst steht fรผr das menschliche Verlangen, mehr aus dem Leben zu machen, als es lediglich zu erhalten. 

Der Durst steht fรผr die Sehnsucht nach einem glรผcklichen und erfรผllten Leben.

Da ist die Sehnsucht nach gelingenden, zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Unsicherheit und Zweifel quรคlen. 

Da ist die Sehnsucht, gesehen zu werden und Anerkennung zu finden fรผr das, was man leistet. 

Da ist die Sehnsucht, einen Sinn in dem zu sehen, was man tut und womit man sein Geld verdient. 

Es gibt viele Sehnsรผchte, die in den Herzen der Menschen Platz haben. Diese Sehnsรผchte sind wie ein brennender Durst, der schon immer Menschen auf ihrer Suche in weit entfernte Lรคnder und hoch unter den Himmel gefรผhrt hat. Doch kann es nicht verhindern, dass man wieder durstig wird. All die vielen Sehnsรผchte, die in den Menschen brennen, sind Abbilder der einen Sehnsucht, die allen anderen zu Grunde liegt โ€“ die Sehnsucht nach Beziehung und Liebe. Das biblische Zeugnis berichtet, dass es die Sehnsucht Gottes nach einem Gegenรผber war, was ihn veranlasst hat, den Menschen zu erschaffen. Doch ist der Mensch aus dieser Beziehung ausgebrochen, um sich selbst zu verwirklichen. Und seitdem brennt der Durst, die Sehnsucht in seiner Kehle, ohne jemals ganz gelรถscht zu werden. Der Vielzahl an Mรถglichkeiten, dem alltรคglichen Leben und Streben zu entkommen, um Kraft, Erfrischung und Inspiration zu finden, stellt der Evangelist Johannes die Begegnung am Brunnen gegenรผber. 

Was Jesus anbietet, ist radikal anders, auch heute nach 2000 Jahren ist dieser Brunnen die wahre Quelle. Es ist nicht der nรคchste kleine Impuls fรผr den Tag, sondern eine unversiegbare Quelle. Es ist Gottes Gegenwart, die uns fรผllt und zugleich รผberflieรŸen lรคsst. Wie C.S. Lewis einmal sagte: “Wir sind dazu erschaffen, uns an einem unendlichen Ozean zu erfreuen, nicht an schlammigen Pfรผtzen.” Dieses Wasser zu trinken heiรŸt, sich von Gott unterbrechen zu lassen, ihm die Kontrolle zu รผberlassen. Das mag unbequem klingen, aber es ist der einzige Weg, unseren unstillbaren Durst zu lรถschen. So wird unser Leben zu einer sprudelnden Quelle, die andere erfrischt und nรคhrt.

Wer sich von diesem Wasser erfrischen lรคsst, der kann mit einer Freiheit durchs Leben wandern, die keine รคuรŸeren Umstรคnde trรผben kรถnnen. Eine Freiheit, die รผber diese Welt hinausreicht โ€“ grenzenlos, frei machend und erfรผllt von Gottes lebendigem Geist. Und vielleicht nehmen wir dann selbst ein Stรผck Himmel mit in unseren Alltag.

AMEN!

Bergerfahung – Gott begegnet uns am Berg 2. Mose 3 und Matthรคus 17

Dieser Gottesdienst wurde am letzten Sonntag nach Epiphanias am 02.02.2025 in der Jahannesgemeinde in Springvale, Melbourne geleitet.

BegrรผรŸung

Liebe Gemeinde,

ich begrรผรŸe euch herzlich zu unserem Gottesdienst am letzten Sonntag nach Epiphanias. Heute begegnen wir Gott auf dem Berg โ€“ so wie Mose vor dem brennenden Dornbusch und die Jรผnger auf dem Berg der Verklรคrung. Berge sind Orte der Nรคhe zu Gott, Orte der Erkenntnis, aber auch Orte des Aufbruchs.

So fragen wir heute: Wo begegnet uns Gott? Wo ruft er uns? Und sind wir bereit, seiner Stimme zu folgen โ€“ im Alltag, in der Welt, in unserem Leben?

Mรถge dieser Gottesdienst fรผr uns alle ein Moment sein, in dem wir Gottes Gegenwart spรผren. Lassen wir uns von seinem Wort leiten und stรคrken.

Kurze Humorfrage fรผr die Eltern

โ€žAuf einem Berg kann man vieles erleben: Stille, Sturm, den Blick in die Weite. Oder โ€“ wer kenntโ€™s? โ€“ schreiende Kinder, die nach fรผnf Minuten fragen: โ€˜Wann sind wir daaa?โ€™ Aber genau so ist das Leben mit Gott: Es gibt Momente des Staunens und Momente der Ungeduld โ€“ aber er bleibt bei uns auf dem Weg!โ€œ

Tagesgebet

Guter Gott,

du hast Mose aus dem brennenden Dornbusch gerufen und Jesus auf dem Berg der Verklรคrung in Herrlichkeit offenbart. Du zeigst dich, wo wir es nicht erwarten, und sprichst in unser Leben hinein.

ร–ffne unsere Ohren fรผr dein Wort, unsere Herzen fรผr deine Nรคhe und unsere Hรคnde fรผr deinen Dienst.

Lass uns heute einen Augenblick deiner Herrlichkeit erahnen, damit wir gestรคrkt hinabsteigen in unseren Alltag, getragen von deinem Licht.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Thema 1 

Lesung 2. Mose 3,1โ€“10

  1. Einstieg: Die Faszination von Bergen

Frage an die Kinder: โ€žWer von euch war schon einmal auf einem hohen Berg? Wie hat sich das angefรผhlt?โ€œ

Cathedra ranges 

โ†’ Ziel: Emotionale Verbindung schaffen. Berge sind Orte des Staunens, der Ehrfurcht und manchmal auch der Angst.

Berge haben in vielen Kulturen eine besondere Bedeutung. Sie stehen fรผr Herausforderungen, fรผr die Sehnsucht nach dem Hรถheren, fรผr den Aufstieg zur Erkenntnis. Sie sind beides: Orte und Symbole.  In alten Erzรคhlungen sind sie Orte der Offenbarung, der Prรผfung und der Transformation.

Verweis auf berรผhmte Berge: Mount Everest, die Alpen, Uluru in Australien โ€“ besondere Orte ziehen uns an. Welches ist der nรคchste Berg hier? Mount Dandenong Observatory oder Arthurs Seat State Park. Etwa 

รœberleitung: In der Bibel sind Berge oft Orte, an denen Menschen Gott begegnen.

Warum? Berge stehen symbolisch fรผr die spirituelle Entwicklung des Menschen. Der Aufstieg auf einen Berg ist mรผhsam, erfordert Disziplin und รœberwindung โ€“ genau wie der Weg mit Gott. Wer auf einen Berg steigt, entfernt sich von der Welt des Alltรคglichen und kommt in eine Sphรคre der Klarheit. Besondere Orte, die, losgelรถst von den Ablenkungen des Alltags, tiefere Erkenntnisse ermรถglichen.

  1. Erste Berg-Begegnung: Mose am brennenden Dornbusch (2. Mose 3,1-15)

Liebe Gemeinde,

Die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch gehรถrt zu den bekanntesten Erzรคhlungen der Bibel. Sie ist nicht nur eine Erzรคhlung รผber ein auรŸergewรถhnliches Ereignis, sondern eine tiefe Offenbarung darรผber, wer Gott ist โ€“ und wer wir sind.

Mose befindet sich in der Wรผste. Er ist in der Fremde, weit weg von seiner Vergangenheit in ร„gypten. Er hat sich ein neues Leben aufgebaut. Er ist Hirte geworden, sorgt fรผr die Schafe seines Schwiegervaters Jethro, und fรผhrt ein einfaches, aber geregeltes Leben. Man kรถnnte sagen, dass er es โ€žgeschafftโ€œ hat โ€“ aus einem impulsiven jungen Mann ist ein verantwortungsvoller Erwachsener geworden. Doch dann begegnet er Gott โ€“ und diese Begegnung verรคndert alles.

Gott ruft uns in unserem Alltag

    Mose hat sich nicht auf eine gรถttliche Offenbarung vorbereitet. Er hatte keinen besonderen spirituellen Plan. Er war einfach unterwegs mit seinen Schafen. Und doch โ€“ genau in diesem Alltag, genau in dieser scheinbaren Routine offenbart sich Gott.

    Ist das nicht auch eine Botschaft fรผr uns? Gott ruft uns nicht nur in den groรŸen Momenten des Lebens, sondern auch mitten im Alltag. Vielleicht hรถren wir seine Stimme in einer Begegnung mit einem anderen Menschen, in einem Wort, das uns berรผhrt, oder in einem Moment der Stille. Der brennende Dornbusch steht dafรผr, dass Gott mitten in der Welt gegenwรคrtig ist โ€“ auch dort, wo wir es nicht erwarten.

    Der brennende Dornbusch: Ein Bild fรผr Gottes Gegenwart

      Mose sieht etwas Ungewรถhnliches: einen Busch, der brennt, aber nicht verbrennt. Ein Zeichen, das ihn fasziniert und ihn nรคher treten lรคsst. Hier offenbart sich Gott โ€“ nicht als eine zerstรถrerische Macht, sondern als eine geheimnisvolle, unbegreifliche Gegenwart.

      Das Feuer steht in der Bibel oft fรผr Gottes Heiligkeit. Doch hier verbrennt es nicht, sondern es bleibt bestehen. Ist das nicht auch ein Bild fรผr Gottes Liebe? Sie ist eine Kraft, die uns verwandelt, aber nicht zerstรถrt. Sie kann unser Herz entzรผnden, ohne dass wir daran zugrunde gehen.

      Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb: โ€žGott ist nicht das jenseitige Wesen, sondern er kommt in unser Leben, in unseren Alltag hinein.โ€œ Diese Begegnung mit Mose zeigt genau das: Gott begegnet uns in unserer Welt und fordert uns heraus.

      Mose wird berufen โ€“ und zweifelt

        Gott spricht zu Mose und gibt ihm eine Aufgabe: โ€žFรผhre mein Volk aus ร„gypten!โ€œ Doch Mose zรถgert. Er fรผhlt sich nicht wรผrdig, nicht fรคhig. โ€žWer bin ich, dass ich das tun kรถnnte?โ€œ fragt er. Und Gottes Antwort ist entscheidend: โ€žIch werde mit dir sein.โ€œ

        Gott ruft nicht die Starken, sondern macht die Berufenen stark. Mose zweifelt, und doch ist er derjenige, den Gott erwรคhlt. Ist das nicht auch eine Botschaft fรผr uns? Wir denken oft, dass wir nicht genug sind, dass wir nicht fรคhig sind, eine Aufgabe zu erfรผllen. Aber Gott sagt nicht: โ€žDu bist perfekt.โ€œ Er sagt: โ€žIch bin mit dir.โ€œ Das genรผgt.

        Vom Sein zum Werden

          Mose ist von einem impulsiven jungen Mann zu einem verantwortungsvollen Erwachsenen geworden. Doch diese Entwicklung reicht nicht aus. Gott ruft ihn weiter. Er soll nicht nur bleiben, wer er ist, sondern werden, wozu Gott ihn bestimmt hat.

          Auch wir sind gerufen, nicht in unserer Komfortzone stehen zu bleiben, sondern uns von Gott verwandeln zu lassen. Unser Glaube ist kein statischer Zustand, sondern ein Weg des Werdens.

          Schluss: Gott ruft auch uns

          Die Geschichte vom brennenden Dornbusch ist nicht nur die Geschichte von Mose. Es ist unsere Geschichte.

          Gott ruft auch uns โ€“ vielleicht leise, vielleicht unerwartet, vielleicht in einem Moment, in dem wir es nicht erwarten. Die Frage ist: Sind wir bereit, hinzuhรถren? Sind wir bereit, unsere Schuhe auszuziehen, wie Mose es tat, und uns auf heiligen Boden zu begeben?

          Mรถge Gott uns offene Augen und offene Herzen schenken, dass wir sein Feuer in unserem Leben erkennen โ€“ ein Feuer, das brennt, aber nicht zerstรถrt.

          Aber es gibt auch besondere Orte die ihre Wirkung haben. Und besondere Zeiten, davon erzahlt das Evangelium von heute welches wir gleich nach dem nachsten Lied horen werden. 

          Ansprache II 

          Zweite Berg-Begegnung: Die Verklรคrung Jesu (Matthรคus 17,1-9)

          Nach dem Lied folgt nun die zweite Begegnung mit Gott auf einem Berg: die Verklรคrung Jesu auf dem Berg Tabor.

          Interaktive Aktion: Der Bergaufstieg

          (Bevor der Predigttext gelesen wird, lade ich die Kinder nach vorne ein.)

          Frage an die Kinder:
          โ€žStellt euch vor, ihr seid mit Jesus unterwegs. Er sagt: โ€šKommt mit mir auf einen hohen Berg!โ€˜ Was wรผrdet ihr mitnehmen? Seid ihr bereit fรผr eine lange Wanderung?โ€œ

          (Kinder kรถnnen Gegenstรคnde nennen, z. B. Rucksack, Essen, Wasser, Taschenlampe. Dann bitte ich sie, gemeinsam mit mir symbolisch einen โ€žBergโ€œ zu erklimmen โ€“ wir steigen auf die Altarstufen oder tun so, als wรผrden wir mรผhsam einen steilen Pfad hinaufgehen.)

          Botschaft:
          โ€žEin Bergaufstieg ist anstrengend, oder? Manchmal wollen wir vielleicht aufgeben, aber wenn wir oben ankommen, sehen wir die Welt ganz anders. Und genau das passiert mit den Jรผngern: Sie erleben etwas, das sie nie vergessen werden.โ€œ


          Die Verklรคrung โ€“ Ein Blick in Gottes Herrlichkeit

          Jesus nimmt drei Jรผnger mit sich โ€“ Petrus, Jakobus und Johannes โ€“ und steigt mit ihnen auf einen hohen Berg. Dort geschieht etwas Unglaubliches: Jesus wird verklรคrt, sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden blendend weiรŸ. Plรถtzlich erscheinen Mose und Elia und sprechen mit ihm. Eine Wolke รผberschattet sie, und eine Stimme aus der Wolke spricht: โ€žDies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; auf ihn sollt ihr hรถren!โ€œ

          Ich selbst war 2003 auf dem Berg Tabor in Israel. Der Aufstieg war mรผhsam, aber als ich oben ankam, hatte ich das Gefรผhl, an einem heiligen Ort zu sein. Die Aussicht war atemberaubend, und es wurde mir klar: Berge sind nicht nur Orte der Hรถhe, sondern Orte der Erfahrung. Sie reiรŸen uns aus dem Gewohnten heraus und lassen uns Dinge erkennen, die wir vorher nicht gesehen haben. Auf diesem Berg steht heute eine Kirche. Sie will auch das sein, ein besonderer Ort

          Von Mose zu Jesus โ€“ die Verbindung der beiden Berg-Erfahrungen

          • Mose begegnet Gott auf dem Berg Horeb im brennenden Dornbusch und erhรคlt seinen Auftrag.
          • Die Jรผnger begegnen Jesus auf dem Berg Tabor in seiner gรถttlichen Herrlichkeit und erkennen, dass er der Sohn Gottes ist.
          • Beide Berge sind Offenbarungsorte: Gott zeigt sich, er spricht, und das Leben derer, die ihn hรถren, verรคndert sich.

          Theologische Deutung: Die doppelte Natur Jesu

          Die Verklรคrung ist nicht einfach nur ein Wunder โ€“ sie offenbart etwas Entscheidendes.

          Der Theologe Karl Barth schreibt:
          “Die Herrlichkeit Christi ist nicht ein รคuรŸerlicher Glanz, sondern die sichtbare Wahrheit darรผber, wer er wirklich ist.”

          Die Jรผnger hatten Jesus als Lehrer und Wunderheiler erlebt. Aber auf dem Berg sehen sie seine gรถttliche Natur โ€“ fรผr einen kurzen Moment wird der Schleier gelรผftet, und sie erkennen, dass Jesus mehr ist als ein Prophet. Er ist Gottes Sohn.

          Die Stimme aus der Wolke bekrรคftigt es: โ€žAuf ihn sollt ihr hรถren!โ€œ
          Das bedeutet: Wenn wir wissen wollen, wer Gott ist, wenn wir verstehen wollen, was er von uns will, dann sollen wir auf Jesus schauen, seine Worte hรถren und seinem Beispiel folgen.


          Vom Berg hinab โ€“ Zurรผck in den Alltag

          Petrus ist so beeindruckt, dass er auf dem Berg bleiben will: โ€žHerr, es ist gut, dass wir hier sind! Lass uns Hรผtten bauen!โ€œ (Mt 17,4). Doch Jesus bleibt nicht oben. Die Offenbarung ist nicht fรผr den Gipfel bestimmt, sondern fรผr das Leben unten im Tal.

          Genau wie Mose vom Berg hinabstieg, um Israel zu fรผhren, steigen auch die Jรผnger mit Jesus wieder hinab. Die wahre Herausforderung beginnt nicht auf dem Berg, sondern unten โ€“ im Alltag, in den Begegnungen mit anderen Menschen, in den Herausforderungen des Lebens.

          Auch wir haben unsere โ€žBergmomenteโ€œ โ€“ Zeiten, in denen Gott uns besonders nahekommt. Momente in denen wir in Jesus mehr sehen als nur einen besonderen Menschen.  Unser Glaube zeigt sich nicht nur auf dem Gipfel, sondern im Alltag. Sind wir bereit, nach der Erfahrung wieder hinabzusteigen und Gottes Willen zu tun?

          Die Antwort bleibt fur viele Menschen nein. Sie fragen weiter was ist ein gutes, ein gelingendes Leben, wofur lohnt es sich weiter zu machen und sich einzusetzen und die Antwort ahnen viele. Es ist mit Jesus. 

          Die zwei Szenen erinnern uns daran. 

          Mรถge Gott uns offene Herzen schenken, dass wir ihn auf den Bergen und in den Tรคlern unseres Lebens erkennen. Amen.

          Calm in the Storm Mark 4

          The following is a church service I led at St. Johnยดs German Lutheran Parish in Springvale on February the 9th 2025 about the Gospel of Mark 4

          There Is a Storm: A Reflection on Faith in the Midst of Chaos

          There is a storm. A storm on the outside, and a storm on the inside.

          When something happens in the world beyond our controlโ€”a crisis, a disaster, a moment of chaosโ€”our minds, emotions, and even bodies react. Fear. Anxiety. Stress. Paralysis. Rage. Despair.

          Have you ever felt this? When life suddenly shifts, when uncertainty throws you into turmoil?

          Today, in our service, we explore this reality together.


          Prayer of the Day (Opening Prayer)

          Almighty and merciful God,
          You are the calm in our chaos, the anchor in our storms.
          When the winds of fear rise and the waves of uncertainty crash around us, remind us that You are near.
          Like the disciples, we cry out in our distress, forgetting that You are already in the boat with us.
          Forgive our restless hearts, our anxious minds, our faltering trust.
          Teach us to rest in You, as Jesus did, to find peace not in perfect circumstances but in Your unshakable presence.
          Open our hearts today to Your Word, that we may learn to trust, to stand firm, and to walk in faith, even when the storms rage around us.
          In the name of Jesus Christ, who calms the storm, we pray. Amen.


          Sermon: When the Storm Rages

          A storm on the outside creates a storm on the inside. I have experienced this many times in my lifeโ€”some of you have heard the stories:

          • A storm in the youth group when someone dislocated their knee capโ€”panic, confusion, โ€œWhat do we do?โ€
          • A storm in the hospital when my sons, David and Samuel, were bornโ€”excitement, fear, everything happening at once.
          • A storm while skiing in Gerlitzenโ€”losing control, feeling the ground slip away.

          In those moments, our instincts take over. Adrenaline floods the body, our hearts race, and we either freeze in fear or act impulsively. We might panic, try to take control, or collapse into despair. But one thing we would never do is take a peaceful nap.

          Yet, that is exactly what Jesus did.


          The Storm on the Sea of Galilee

          The disciples were experienced fishermen. When the first gusts of wind hit, they likely thought, “Weโ€™ve handled worse.” But then, the waves grew higher, the wind roared, and panic set in. This wasnโ€™t just any storm; it was the kind that makes seasoned sailors believe they are about to DIE.

          And where was Jesus?

          Asleep in the back of the boat.

          Overcome by fear, the disciples shook Him awake: “Jesus! Do you not care that we are perishing?!”

          It wasnโ€™t just a pleaโ€”it was an accusation. How can You be so indifferent?

          But Jesus, calm and unshaken, did not panic. He did not scramble for safety. He simply stood and spoke to the storm:
          “Peace. Be still.”
          And the wind ceased. The waves settled. The chaos gave way to silence.

          Then, Jesus turned to them and asked:
          “Why are you so afraid? Do you still have no faith?”


          The Real Storm

          From our perspective, the disciples’ fear was justified. The storm was real! But Jesus wasnโ€™t just addressing the storm outsideโ€”He was pointing to the storm inside.

          The greatest danger wasnโ€™t the waves; it was the fear that took hold of them. Jesus was showing them that peace does not come from a storm-free life but from trust in Godโ€™s presence, even in the storm.

          That is the challenge for us today. Life will bring stormsโ€”loss, uncertainty, suffering. But what if, like Jesus, our peace didnโ€™t depend on circumstances? What if faith meant standing firm, unshaken, even in chaos?

          Jesusโ€”our peace didnโ€™t have to depend on our circumstances?

          What if faith meant learning to be unshakable, even in the middle of the storm?

          “Unshakeable is not that youโ€™ll never have a problem. It means that no matter what happens, you will remain at peace. “

          This fits perfectly into our message. Jesus wasnโ€™t “unshakeable” because there was no stormโ€”he was “unshakeable” because the storm didnโ€™t control him. His peace wasnโ€™t based on circumstances; it was rooted in trust.

          And thatโ€™s the challenge for us: Can we reach a place where, no matter what life throws at us, we donโ€™t suffer over itโ€”because we trust that even in the storm, God is still in control?

          Trusting him when the waves are high and the wind is howling.

          Thatโ€™s the kind of peace Jesus had. And thatโ€™s the kind of peace he offers us.


          Finding Peace: Lessons from Peanuts and Bonhoeffer

          Charles Schulz, the creator ofย Peanuts, struggled with anxiety and depression throughout his life. Yet, he found a way to navigate his stormsโ€”through his art. Charlie Brown kept getting knocked down but always got back up. Linus clung to his security blanket in the middle of chaos. Schulz found peace not in avoiding fear but in processing it creatively. Schulz passed away 25 years ago, on February 12, 2000.

          Now compare that to Jesus in Mark 4. The storm raged. The disciples panicked. But Jesus? He slept. His peace wasnโ€™t rooted in a blanket, but in God.

          Dietrich Bonhoeffer preached on this very passage in January 1933, just before Hitler rose to power. Germany was gripped by fear. People sought safety in politics, ideology, or control. Bonhoeffer warned: Fear was in the ship, and it made people chase illusions and despair.

          But he reminded them: faith does not remove the storm; it carries us through it. And he lived that truth, standing firm against the storm of Nazi Germany, even when it cost him his life.


          Faith in the Storm

          Bonhoeffer, Schulz, and Jesus all teach us the same lesson: The storm outside does not have to become the storm inside. If we know who is in the boat with usโ€”if we know that God is in controlโ€”then even in the worst moments, we can stand firm.

          Because in the end, life is not about avoiding storms. It is about learning how to sail through them with faith.

          The next time fear grips you, the next time the waves riseโ€”remember: You are not alone in the boat.


          Intercessory Prayer with Confession and Forgiveness

          Lord Jesus Christ,
          You have promised to be with us in every storm, but too often we let fear take hold.
          We confess that we have doubted Your presence, placed our trust in fleeting things, and allowed anxiety to rule our hearts instead of faith.
          Forgive us. Still the storms within us.
          Speak Your word of peace over our troubled souls, and help us to trust You, even when the waters rise.
          (Moment of silent confession)

          Hear the good news:
          Jesus Christ came into the world to save sinners. To all who turn to Him, He says:
          “Peace, be still.”
          Your sins are forgiven. You are made new.
          Thanks be to God. Amen.